Adorno - Typen musikalischen Verhaltens

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Adorno

Theodor W. Adorno hat die bekannteste Hörertypologie entwickelt. Obwohl sie in der Wissenschaft kritisch angesehen wird, ziehen Musiker sie oft vor, um Hörtypologien zu beschreiben. Die Typen sind nicht durch empirische Untersuchungen sondern reine Gedankenexperimente.

Die folgenden Typen sind Idealformen und existieren nur in Mischvarianten:

Der Experte erfasst Zusammenhänge aus vergangenen und zukunftigen Momenten der Musik, er hört voraus und erkennt was kompositionstechnisch geschieht. Dieser Typ ist vorallem bei Berufsmusikern zu finden.

Der gute Zuhörer hört Zusammenhänge und beurteilt Musik begründet. Dem Niveau des Experten kommt er jedoch nicht sehr nahe. Man kann ihn auch mit einem Sprachkenner vergleichen, der die Strukturen der Sprache wie Grammatik und den Satzbau nicht weiß.

Der Bildungskonsument hört viel und ist gut über die Musik informiert. Er kennt sich mit Themen der Musik aus und antizipiert diese sogar, hört aber keine Strukturen heraus. Dieser Typus ist verbreitet unter Konzertabonnenten.

Der emotionale Zuhörer ist besonders interessiert für emotional bestimmte Musik, die bei ihm bildhafte Assoziationen und Gefühlsausbrüche auslösen; er ist der Meinung, dass bewusstes Hören Kälte gegenüber der Musik bedeutet.

Der Ressentimenthörer steht dem offiziellen Musikleben kritisch gegenüber. Er zieht sich in Sonderbereiche der Musik zurück, die er kultiviert und in denen er aufblüht. Ein Sondertyp stellt der Jazzexperte dar, der sich für fortschrittlich hält, weil er sich von Klassik und Romantik abwendet, jedoch in seinen eigenen Grenzen gefangen bleibt.

Der Unterhaltungshörer genießt Musik nicht als Sinnzusammenhang; da er beim Hören keine Anstrengungen will und von Musik lediglich Zerstreuung erwartet, ist die Musik nur eine Reizquelle für ihn.

Der Gleichgültige/Unmusikalische/Antimusikalische hat überhaupt keinen Sinn für Musik. Adorno begründet diese Haltung mit Schäden in der frühkindlichen Erziehung und/oder überrealistischen Gesinnung oder technischen Spezialbegabung. Der Typ ist sehr selten.


Kritik

Die Hörertypologie nach Adorno kann insofern kritisiert werden, als dass die Musikhörer, die er klassifiziert, sogleich auch bewertet. Es scheint so, als ob Adorno der Ansicht gewesen wäre, dass nur der Experte in der Lage sei, Musik zu bewerten. Je weniger "Fachkenntnis" der Zuhörer zu besitzen scheint, desto schlechter könne er die Qualität der Musik einschätzen. Aber wieso sollte nicht auch jemand, der "nur" Musik in der Freizeit hört, bewerten können, ob diese gut oder schlecht gelungen sei? Außerdem kritisiere ich, dass Adorno Menschen, die keine Musik mögen, so negativ darstellt. Indem er beispielsweise sagt, dass diese Abneigung der Musik gegenüber auf "Schäden in der frühkindlicher Entwicklung" beruht, stellt er die Haltung als "abnormal" dar. Und dies tut er obwohl er keine Belege dafür hat, wie oben erwähnt ist diese Hörertypologie ein "reines gedankenexperiment". Positiv bewerte ich, dass Adorno bemerkt hat, dass es hauptsächlich nur Mischformen dieser Klassifizierungen gibt, da man doch viele Menschen in mehr als nur eine Kategorie unterteilen würde, beispielsweise als Unterhaltungshörer und als emotionaler Hörer. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Adorno bei seiner Hörertypologie eine zu starke Wertung vornimmt, obwohl diese Unterteilungen nicht einmal durch Studien oder Untersuchungen nachgewisen werden können.